Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt

Fernsteuerzentrale Wasserversorgung

Fernsteuerzentrale Wasserversorgung Datteln

Kanalweg 9
45711 Datteln

Telefon +49 2363 5683-5
Telefax +49 2363 5683-403

FZW-Datteln@wsv.bund.de

Fernsteuerzentrale Wasserversorgung Datteln Fernsteuerzentrale Wasserversorgung Datteln Quelle: WSA Duisburg-Meiderich

Um die Wasserbewirtschaftung der Westdeutschen Kanäle zentral überwachen und steuern zu können, wurde 1984 in Datteln - einem wichtigen Kreuzungspunkt der westdeutschen Wasserstraßen - die Fernsteuerzentale Wasserversorgung (FZW) in Betrieb genommen und damit frühere regionale bzw. örtliche Steuerungen ersetzt.
Von dieser Zentrale aus werden zwischen Bergeshövede, Hamm, Friedrichsfeld und Duisburg die Wasserstände aller Kanäle und der für die Kanalspeisung maßgebenden Stauhaltungen der Lippe und Ruhr überwacht sowie die Pumpwerke und sonstigen Speisungseinrichtungen zentral gesteuert. Dadurch ist eine rasche Reaktion auf Wasserspiegelschwankungen in den einzelnen Kanalhaltungen bzw. auf Schwankungen in der Lippewasserhaltung möglich. Ein höherer Verbrauch an Schleusenbetriebswasser infolge vermehrten Verkehrsaufkommens kann sofort durch zusätzliche Einspeisung ausgeglichen werden.
Vor allem aber - und das ist bei einem so sensiblen und komplexen Speisungssystem besonders wichtig - vermag die FZW ohne Verzögerung auf Ausfälle (z.B. von Pumpen oder anderen Anlagen) oder auf sonstige Zwischenfälle (z.B. Wasserverunreinigungen) zu reagieren.
Die Aufgabe der FZW ist es, die Wasserversorgung der Schleusen, der Wasserentnehmer sowie im Bedarfsfall die Anreicherung der Lippe technisch und wirtschaftlich optimal sicherzustellen. Seit ihrer Fertigstellung hat sich die praktizierte Fernsteuerung bewährt.

Die Kanalstufen

Kanalstufen Kanalstufen Quelle: WSA Duisburg-Meiderich


Auf dem Weg vom Rhein zur Ems, Weser oder nach Dortmund sind mit Hilfe von Schleusen bzw. dem Hebewerk Henrichenburg beachtliche Höhenunterschiede zu überwinden. Bis zur ausgedehnten Scheitelhaltung zwischen Herne, Datteln, Hamm und Münster beträgt die Höhendifferenz vom Rhein über den Rhein-Herne-Kanal rd. 37 m bzw. über den Wesel-Datteln-Kana rd. 42 m, von der Weser über den Mittelland-Kana 19,50 m und von der Tideems über den Dortmund-Ems-Kanal rd. 56m. Von dieser Scheitelhaltung bis Dortmund sind weitere 13,50 m zu überwinden.
Die Kanalstufen sind in der Regel mit je zwei Schleusen und einem Pumpwerk ausgestattet. Einige Schleusen sind - zur Reduzierung der Betriebswassermenge - mit Sparbecken versehen. An der Kanalstufe Henrichenburg / Waltrop befindet sich ein Schiffshebewerk.

Die Höhe des Wasserbedarfs

Der Wasserbedarf der Kanäle entsteht vornehmlich durch den Wasserverbrauch der Schleusen. Den zweitgrößten Anteil stellen die Verluste dar, die durch die Undichtigkeit der Schleusen (Tore und Schütze) und des Kanalbettes (Versickerung) sowie Verdunstung an der Kanaloberfläche entstehen.
Die Abgabe an Dritte (Kraftwerke, Industriebetriebe, Wasserwerke etc.) sind zwar mengenmäßig geringer, haben aber in den letzten Jahrzehnten einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert erreicht.
Darüber hinaus wird die Lippe bei mangelnder Wasserführung über ein Überleitungsbauwerk bei Hamm mit Kanalwasser angereichert, das durch Pumpwerke aus Ruhr und Rhein in das Kanalnetz gefördert wird.
Im Ganzen beträgt der Wasserbedarf allein in der Scheitelhaltung Herne - Datteln - Hamm - Münster rd. 500 Millionen m³ im Jahr.

Die Deckung des Wasserbedarfs

Gesamtzufluss der Westdeutschen Kanäle 1925-2018 Gesamtzufluss der Westdeutschen Kanäle Gesamtzufluss der Westdeutschen Kanäle Quelle: WSA Duisburg-Meiderich, FZW


Der hohe Wasserbedarf wird, wenn man von den geringen Niederschlagsmengen auf die Kanaloberfläche absieht, in erster Linie aus den relativ sauberen Flüssen Lippe und Ruhr gedeckt. Das Lippewasser fließt dem Kanalnetz mit natürlichem Gefälle zu (natürliche Speisung).
Die Ruhr ist bei Duisburg über einen kurzen Verbindungskanal mit dem Rhein-Herne-Kanal verbunden, so dass Ruhrwasser ohne Verunreinigung durch Rheinwasser über die Pumpwerkskette des RHK in die Scheitelhaltung gefördert werden kann (Pumpbetrieb). Nur in Trockenzeiten wird der Rhein zur Wasserversorgung herangezogen. Jedoch gelangt dieses Wasser in der Regel nicht bis zur Scheitelhaltung, dies liegt heute nicht mehr an mangelnder Qualität, sondern mehr an einer sparsamen Wasserbewirtschaftung.

Natürliche Speisung
In Hamm verläuft der Datteln-Hamm-Kanal parallel zur Lippe, von dieser nur durch einen Hochwasserdamm getrennt. Das am Lippe-Wehr gestaute Lippewasser läuft dem Kanal durch ein Speisungsbauwerk zu und wird über Klappenwehre in der Wasserverteilungsanlage Hamm der tiefergelegenen Scheitelhaltung zugeführt.
Nach einem zwischen Bund und dem Land Nordrhein - Westfalen geschlossenen Abkommen darf der Lippe bei einer Abflussmenge zwischen 10 und 35 m³/s soviel Wasser entnommen werden, dass mindestens 10 m³/s in der Lippe verbleiben. Bei Abflüssen über 35 m³/s können bis zu 25m ³/s in das Kanalnetz eingespeist werden.


Pumpbetrieb
Der natürliche Zufluss aus der Lippe reicht jedoch nicht immer aus, den Wasserbedarf zu decken. Sinkt in Trockenzeiten die Lippewasserführung unter 10 m³/s, darf der Lippe kein Wasser mehr entnommen werden. Stattdessen wird der Lippeabfluss mit Zuschusswasser aus den Kanälen angereichert.
An den Kanalstufen sind Pumpwerke errichtet worden, die das Schleusenbetriebswasser zurückpumpen sowie Wasserentnahmen und Wasserverluste ausgleichen können. Am Wesel-Datteln-Kanal und Rhein-Herne-Kanal gibt es Pumpwerksketten, die einen durchgehenden Wassertransport von der Ruhr und vom Rhein in die Scheitelhaltung ermöglichen.